Glückwunsch CCC!

Als Geheimorganisation sind wir manchmal ein wenig kritisch (gar hämisch!) unterwegs. Heute nicht: Wir möchten dem Chaos Computer Club und dem Chaos Communication Congress zu seinem recht gelungenen Code of Conduct (CoC) gratulieren.

Wir halten die Zusammenstellung von hilfreichen Texten, Erklärungen, Absichtserklärungen und Kontaktmöglichkeiten für wesentlich besser, als es die Diskussionen mit der Wau-Holland-Stiftung im Chaosumfeld zu diesem beliebten Thema ahnen ließen.

Um die Diskussion in konstruktive Bahnen zu lenken, haben wir zur Übersicht eine Checkliste erstellt. Damit wollen wir zeigen, was uns gefällt, wo wir uns im nächsten Update Verbesserungen wünschen und Grundlage für die weitere Diskussion schaffen. Kurz und knapp: In der nächsten Version wünschen wir uns hauptsächlich eine zusammengefasste, übersichtliche Darstellung und eine einfache und klare Sprache. Warum ist uns das wichtig?

Kriterium Vorhanden? Wie kann verbessert werden?
Kriterien von der dokuwiki-Seite
Ein Verhaltenskodex soll in Konfliktfällen Wege aufzeigen, Konflikte zu lösen und im Idealfall nach Konflikten wieder miteinander in der Gemeinschaft umzugehen.
Ein Verhaltenskodex fördert Rücksichtnahme, Empathie, Reflektion und Diskussionskultur in der Community, die ihn sich gibt.
Ein Verhaltenskodex schafft ein Bewusstsein dafür, was in einer Community erwünschtes und unerwünschtes Verhalten ist.
Ein Verhaltenskodex schafft Bewusstsein für die Handlungsmöglichkeiten und Lösungsansätze, die bei Problemen zur Verfügung stehen.
Ein positiver Schwerpunkt und eine positive Ausrichtung, da durch den Verhaltenskodex Vorteile für alle entstehen sollen (✓) Prinzipienseite ist positiv formuliert, Schiedsstellenseite nicht. Das ist schade, weil beide Seiten schlecht allein stehen können.
Nennt Grundsätze, um das Zusammenleben angenehm zu gestalten
Beschreibung von Positivbeispielen - Wie wollen wir miteinander umgehen?
Beschreibung von Negativbeispielen - Was ist schädliches Verhalten, das wir nicht tolerieren? (✓) Globale Beschreibungen sind vorhanden, aber diese sind vielleicht schlechter greifbar als konkrete Beispiele. Vor allem bei leicht zu machenden Fehltritten könnten diese aber helfen.
Beschreibung der Konfliktbehandlung - Wie lösen wir Probleme?
Werden Lösungsansätze, Handlungsmöglichkeiten und Hilfestellungen: genannt? U.A. Prozess um Vorfälle zu melden und zu lösen, Mediation
Werden Ansprechpartner und Vertrauenspersonen genannt, die im Falle von Konflikten kontaktiert werden können?
Wird die persönliche und vertrauliche Behandlung von Meldungen und Vorfällen gewährleistet? In der verlinkten Verfahrensordnung. Schöner wäre ein Auszug auf der Seite.
Thematische Komponenten
Klare Präambel und Erklärung von Absicht und Zweck des Dokuments (✓) Sollte auf der Startseite sein, ist aber auf der Seite "Schiedsstelle".
Thematisierung der Würde, Rechte und Respekt gegenüber unterschiedlichen Ansichten
Thematisierung von Sicherheit, Gesundheit und Wohlergehen der Teilnehmenden
Thematisierung von Belästigung / Harassment
Transparenz der Prozesse und Abläufe
Stilistische Aspekte
Anrede der Zielgruppe ist passend
Einfache, verständliche Sprache Texte so formulieren, dass sie auch für Neulinge im Chaosumfeld ohne historisches oder fachliches Wissen leicht verständlich sind.
Übersichtlichkeit und Zugänglichkeit (alles auf einen Blick?) Alle Seiten, die für einen Besucher vor dem Besuch wichtig sein können, ohne dass er einen konkreten Problemfall hat, sollten auf einer Seite zusammengefasst werden. Idealerweise ist dies die Startseite von help.ccc.de
Ausgewogenheit von Inhaltsmenge und Länge Schwierig zu erfassen, weil auf verschiedene Seiten verteilt und viele Verweise enthalten sind
Vollständigkeit von Ausführungen (✓) Z.T. wird auf deutsche Texte verwiesen, auch in der englischen Version. Nötige Referenzen könnten vielleicht auszugsweise eingefügt und übersetzt werden
Identität der Veranstaltung
Sind die Werte genannt, die die Veranstaltung prägen?
Sind Haltungen und Werte genannt, die unvereinbar mit der Veranstaltung sind?
Kriterien von Rachel Nabors
Declare the event’s dedication to creating a safe space.
Clearly state what behavior is expected and which are not tolerated. (✓) Auf der Seite werden das erwartete und nicht tolerierte Verhalten nicht klar und eindeutig, aber global und übergreifend aufgeführt.
Provide a path for folks to report problems and seek help if these expectations are not met.
All of the above must be public and easily accessed. (✓) Über "leicht" zugreifbar kann man streiten. Hier müssen zumindest einige Seiten durchgeklickt und gelesen werden, teilweise gar Ordnungen und Satzungen.

Alle Texte auf ccc.de und help.ccc.de, die zusammengefasst einen CoC ergeben würden, haben eine gesamte Textmenge von etwa 4200 Wörtern, was einer Lesedauer von etwa 20 Minuten entspricht. Diese Texte sind teilweise in einer Mischung aus szenetypischem Slang und Fachvokabular geschrieben, was gerade für neue und junge Menschen auf dem Kongress nur eingeschränkt zugänglich ist. Bei 17.000 erwarteten Besucher*innen wäre eine Zusammenfassung in Leichter Sprache ebenfalls wünschenswert.

Auch einige rechte Twitter-Trolle haben das mit dem Lesen und Erfassen aller Dokumente noch nicht so ganz hinbekommen. Das mag auch daran liegen, dass die Unvereinbarkeitserlärung gar nicht so einfach zu finden ist. Vielleicht sollte die Unvereinbarkeitserklärung aus dem Jahre 2005, die sich zwar bereits von NPD, FPÖ und Republikanern distanziert, explizit um die AfD ergänzt werden.

Das Thema ist für uns noch nicht komplett abgeschlossen, aber die Regelungen aus diesem Jahr sind auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

Wir danken allen im Chaos- und Congressumfeld, die an help.ccc.de mitgearbeitet haben und allen, die sich für einen Code of Conduct für den Congress eingesetzt haben und das Thema mit viel Geduld immer wieder erklärt und bewegt haben. Wir wissen, dass es intern ein undankbares und schwer zu verkaufendes Thema ist - auch, wenn es immer dem Ziel dient, einen noch cooleren Congress zu schaffen als noch im Jahr zuvor. Wir freuen uns darauf, dass zum Congress jetzt ein zentral zugänglicher Code of Conduct gehört, der dazu beiträgt, dass sich möglichst viele Menschen willkommen und sicher fühlen können.

Deine

Geheimorganisation

PS.: Unterhalb findest du noch unsere Statements der letzten Jahre sowie die FAQ.


Liebe*r Besucher*in des #34c3,

auf diesem Kongress haben wir getreu dem Motto "tuwat" etwas getan. Wir haben den Stand der Wau-Holland-Stiftung, die im Vorfeld des Kongresses ihre Assembly zur "CoC-freien-Zone" erklärte, besetzt. Wir finden, wie Ihr vermutlich schon wisst, einen CoC für Veranstaltungen wie den Congress unabdingbar und würden uns einen solchen auch für unsere reguläre Arbeit in den einzelnen Erfas und Chaostreffs wünschen. Deshalb empfinden wir ein solches Statement, insbesondere von einem offiziellen Organ des Clubs, äußerst provokant und reagierten mit unserer Besetzung entsprechend.

Die Besetzung, an der insgesammt 15-20 Menschen beteiligt waren, wurde nach einigen Minuten unter Androhung des Rauswurfs durch die Security aufgelöst. Dabei wurde allerdings vereinbart über die Probleme/Missverständnisse zwischen uns und der Stiftung zu diskutieren. Bei dem darauf folgenden Gespräch stellte sich heraus, das unsere Positionen garnicht so unterschiedlich sind und die provokanten Aussagen der Stiftung eher durch Unwissen als durch Böswilligkeit zustande kamen.

Das ist das gemeinsame Statement von uns und der Stiftung:

Endlich wieder Chaos auf dem Chaos Communication Congress

Im Vorfeld des 34. Chaos Communication Congress hat es verschiedene Äußerungen zu einem möglichen "Code of Conduct" (Verhaltenskodex) gegeben. Durch eine ablehende Äußerung der Wau-Holland-Stiftung im Wiki des Congress gegenüber dem Vorstoss eines "Code of Conduct" wurde der Stand der Wau-Holland-Stiftung von Aktivist*innen besetzt.

Aus dieser Standbesetzung wurde durch Intervention des Awareness-Teams dann ein moderierter Dialog zwischen den verschiedenen Teilnehmern der unterschiedlicher Gruppen.

Die Vertreter der Wau-Holland-Stiftung und die Aktivist*innen des Standes der Stiftung haben festgestellt, dass sie gleiche bzw. ähnliche Probleme auf den Veranstaltungen des CCC sehen. Konkrekt geht es hierbei um den Schutz von einzelnen TeilnehmerInnen auf Veranstaltungen bzw. Treffen gegenüber Handlungen, die als übergriffig oder diskriminierend empfunden werden und die stark ausbaufähige Diversität.

Der gemeinsame Dialog war hilfreich für das gegenseitige und thematische Verständnis. Beide Seiten wollen den Dialog fortsetzen und für unsere Gemeinschaft öffnen, um die Veranstaltungen und Treffen für alle Teilnehnmer*innen sicher und angenehm zu machen.

Frei nach dem Kongressmotto "tuwat" wurden hier die ersten Schritte bereits auf dem 34c3 gemacht und weitere werden gemeinsam geplant.

Alle Erfahrungen, die wir aus den letzen 34 Jahren zusammentragen können, sollen in diesen Prozess einfliessen um eine zukunftskompatible Lösung zu erarbeiten.

Insgesammt haben wir die zusammenarbeit mit der Stiftung bei unserem Treffen als konstruktiv wargenommen und freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit und hoffentlich dann bald endlich einen CoC/ähnliches Regelwerk im CCC Umfeld zu haben.

Deine

Geheimorganisation

PS.: unterhalb findest du noch unser Statement sowie den FAQ vom #33c3.


Liebe*r Besucher*in des #33c3,

schön, dass Du diese Seite gefunden hast. Heute wollen wir Dich mal nicht (wie Du das von uns gewohnt bist) trollen, sondern haben ein ernsthaftes Anliegen: Schon als vor 35 Jahren der Chaos Computer Club gegründet wurde, wurde die Hackerethik als Moralgrundlage unseres Handelns akzeptiert. Darin heißt es:

Beurteile einen Hacker nach dem, was er tut, und nicht nach üblichen Kriterien wie Aussehen, Alter, Herkunft, Spezies, Geschlecht oder gesellschaftliche Stellung.
Dazu kam dann in den 00er Jahren noch die Regel »be excellent to each other« und damit war für die meisten Menschen klar, wie es bei uns läuft. Jetzt hat sich in den letzten Jahren aber viel getan und leider hat es sich gezeigt, dass ein »be excellent to each other« eben nicht immer ausreicht.

Viele andere Communities haben das schon erkannt und deswegen Regelwerke geschaffen, die sich mit dem gegenseitigen Umgang in Gemeinschaften und explizit mit dem Schutz von Minderheiten in den jeweiligen Gruppen beschäftigen. In Folge fühlen sich die vom jeweiligen »Code of Conduct« geschützten Menschen in diesen Communities willkommener. Außerdem wird Außenstehenden so schneller klar, dass Diskriminierung in jeglicher Form nicht toleriert wird.

Das wünschen wir uns auch für den CCC, den Chaos Communication Congress, die vielen anderen Chaos Events, alle Erfas und Hackspaces. Es gibt schon viele Menschen unter uns, die das genauso sehe wie wir. Es gibt auch einige, die sich mit dem Thema noch nicht auseinandergesetzt oder eine andere Meinung dazu haben. Deswegen bitten wir Dich: Informiere Dich darüber, bilde Dir Deine eigene Meinung dazu und sprich mit anderen in Deiner lokalen Community darüber. Außerdem gibt es im CCC gerade eine Gruppe, die sich mit diesem Thema auseinandersetzt und bestimmt über Deine Unterstützung freuen würde.

Deine

Geheimorganisation

und Mitglieder der Erfas/Hackspaces:


FAQ

Was ist ein Code of Conduct?

Ein Code of Conduct ist eine Sammlung von Verhaltensweisen, die in unterschiedlichsten Umgebungen und Zusammenhängen abhängig von der jeweiligen Situation angewandt werden können bzw. sollen. Ähnliche Konzepte findet man beim Ehrenkodex oder dem Moralkodex.

Was soll ein Code of Conduct bewirken?

Ein Code of Conduct soll...

Wie kann ich euer Anliegen unterstützen?

Setze Dich in Deinem lokalen Hackspace für einen CoC ein und sprich mit den Organisator*innen von Events, an denen Du teilnimmst, darüber, dass Dir ein CoC wichtig ist.

Wer steht hinter diversity.geheim.org?

Die Geheimorganisation. Wir sind eine Gruppe von Menschen aus ganz Deutschland, die seit vielen Jahren auf Chaos Events und in vielen lokalen Hackspaces aktiv sind. Am einfachsten erreichst Du uns via Twitter oder direkt an unserer Assembly auf dem #33c3.

Warum ist euer Logo ein LGBT*-Pride-Herz, das inkludiert ja längst nicht alle Minderheiten, die von einem CoC geschützt werden sollen?

Das Herz in verschiedenen Variationen ist seit einigen Jahren das Logo der Geheimorganisation, was auch daran liegt, dass viele unserer Mitglieder sich mit der Pride-Flagge sehr gut identifizieren können. Allerdings beschränkt sich unsere Kampagne keinesfalls nur auf LGBT*, sondern wir möchten gerne alle anderen betroffenen Minderheiten oder Gruppierungen inkludieren.